Der gesunde Darm – Teil 2

Die Kapha-Jahreszeit, die jetzt begonnen hat, hat wie jede andere Jahreszeit ihre Chancen und Risiken. Kapha bedeutet Saft, Kraft und Fruchtbarkeit, wenn es im Gleichgewicht ist. Wenn Kapha zu viel ist, führt das zu übermäßigen Flüssigkeitsansammlungen, Schleimbildung, Müdigkeit, Schwere und mangelndem Wachstum.

Unsere sitzende Lebensweise, ein Überangebot an industriell hergestellter Ernährung und eine Abkopplung von den natürlichen Rhythmen führt bei vielen Menschen zu einer Zunahme von Kapha und Ama. Übergewicht, saisonale Allergien und Frühjahrsmüdigkeit sind typische Ausdrucksformen von zu viel Kapha.

Ein gesundes, gut funktionierendes Verdauungssystem ist Voraussetzung dafür, einen Überschuss an Kapha zu beseitigen.

Viele Menschen wundern sich, was das Besondere an „ayurvedischer Ernährung“ ist. Muss man „indisch“ essen, um den Empfehlungen des AyurVeda zu folgen? Keineswegs! Ayurvedische Ernährung heißt vielmehr eine auf die Person, Tages- und Jahreszeit und auf die klimatische Umgebung abgestimmte Kost. Gewürze spielen dabei eine wichtige Rolle, denn sie tragen wesentlich dazu bei, dass die Verdauungskraft verbessert werden kann.

Biorhythmus der Verdauung

Die Tages- und Jahreszeiten unterlegen in ihren wechselnden Einflüssen den drei Doshas Vata, Pitta und Kapha. Mit Gewürzen und Heilkräutern kann man den Einfluss der Doshas sehr gut ausgleichen.

Wärmende Gewürze

Diese sollten vor allem während der Kapha- und Vata-Zeiten angewendet werden. Vata und Kapha sind kühl und werden durch wärmende Anwendungen ausgeglichen.

Kapha Tageszeit: Sonnenaufgang bis 10:00, Sonnenuntergang bis 22:00
Kapha Jahreszeit: Frühling (März – Juni)
Vata Tageszeit: 14:00 – Sonnenuntergang, 2:00 – Sonnenaufgang
Vata Jahreszeit: Herbst und Winter (Oktober – Februar)

Zu den wärmenden Gewürzen zählen: Ingwer, Kurkuma, Zimt, Gewürznelke, Pfeffer, Chili, Kümmel, Kreuzkümmel
Heimische wärmende Gewürze: Basilikum, alle Lauchgewächse, Kresse

Kühlende Gewürze

Diese sollten vor allem während der Pitta-Zeit verwendet werden. Pitta ist warm und braucht kühlende Anwendungen zum Ausgleich.

Pitta Tageszeit: mittags 10:00 – 12:00, Mitternacht 22:00 – 2:00
Pitta Jahreszeit: Sommer (Juli – September)

Zu den kühlenden Gewürzen zählen: Fenchel, Koriander, Kardamom
Heimische kühlende Küchenkräuter: Salbei, Rosmarin, Thymian und Majoran

Alle Gewürze führen dem Körper sekundäre Pflanzenstoffe zu, die die Sekretion der Verdauungsdrüsen stimulieren. Durch ihre Anwendung können die Vitalstoffe, die in der Nahrung enthalten sind, wesentlich besser aufgeschlossen und assimiliert werden. Das versteht man unter „Stärkung des Verdauungsfeuers Agni“.

Frische Wildkräuter

Im Frühjahr, also während der Kapha-Zeit, ist es besonders empfehlenswert, möglichst viele frische grüne Kräuter, Sprossen, Knospen und Gemüse in der Küche zu verwenden. Nach der langen Vata-Jahreszeit gibt es endlich wieder besonders vitalstoffreiche Kost aus der näheren Umgebung. Nutzen Sie Ihre Freizeit und sammeln Sie in Parks, Auen, Wiesen und Wäldern frische grüne Köstlichkeiten: Bärlauch, Brunnenkresse, Giersch, Brennnessel und Löwenzahnblätter sind die ersten leckeren Frühlingsboten, die jetzt überall sprießen. Sammeln Sie auch Blüten von Gänseblümchen und Schlüsselblumen, mit denen Sie Ihre Mahlzeiten dekorieren können.

Schon mit einer Handvoll Kräuter verwandeln Sie jede Mahlzeit in ein besonderes Erlebnis. Sie können die Wildkräuter fein gehackt und roh als Gewürze Ihren Salaten beimengen. Auch in Suppen, Soßen und im Getreide sind sie vorzüglich. Intensiver schmeckende Kräuter wie Bärlauch oder Kresse können Sie grob hacken und in Ghee anrösten, bevor Sie sie auf ein Butterbrot oder in eine Hauptspeise streuen.

Heilkräuter für den Darm

Zu den wichtigsten Heilpflanzen für den Darm zählen die drei belerischen Früchte Amalaki, Bibhitaki und Haritaki. Die werden sowohl einzeln als auch gemeinsam in Form von Triphala (MA505) verwendet. Alle drei wirken mild entzündungshemmend auf die Schleimhäute des Magen-Darmtrakts, verbessern durch ihre Bitterstoffe die Entgiftungstätigkeit der Leber und regen den Gallefluss an. Dadurch führen sie zu einer Regeneration der Darmschleimhäute und bewirken eine ausgewogene peristaltische Bewegung des Darms.

Die Wirkung dieser drei Früchte auf den Darm werden im AyurVeda sehr geschätzt. Die alten Texte empfehlen eine dauernde Anwendung, um die Verdauungskraft nachhaltig zu stärken und so sicher zu stellen, dass alle Gewebe und Organe dauerhaft mit allen Vitalstoffen versorgt werden können.

Zusammenfassung

Ayurvedische Ernährung ist an die Person, Tageszeit, Jahreszeit und klimatischen Bedingungen angepasst. Dadurch kann der Darm dem Körper immer die richtigen Vitalstoffe zur Verfügung stellen. Gewürze und Heilkräuter sind wichtig, um die Verdauungskraft (Agni) zu unterstützen.

Im Frühjahr sind frische Wildkräuter besonders empfehlenswert, um Kapha-Störungen vorzubeugen und die Vitalität zu verbessern.

Fortsetzung folgt… (Mineralien und Probiotika, äußere Anwendungen und Reinigungstherapien)

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