Gesunde Schilddrüse – Teil 1

„Herr Doktor, ich fühle mich immer, als hätte ich Nebel im Kopf. Ich kann nicht klar denken, fühle mich immer müde und nehme Gewicht zu, obwohl ich viel weniger esse als alle anderen Familienmitglieder“, sagt Frau Elfriede F. beim Erstgespräch in unserer Praxis. Sie schildert typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion.

Schilddrüse

Die Schilddrüse ist so etwas wie das Gaspedal für den Stoffwechsel. Als hormonbildendes Organ gibt sie Botenstoffe ab, die den Stoffwechsel unseres Körpers aktivieren. Laut neueren Untersuchungen sind 50% der Bevölkerung von Schilddrüsenstörungen betroffen. Waren es früher hauptsächlich Kröpfe und psychische Störungen, die durch Jod-Mangel entstanden sind, sind heutzutage Schilddrüsenerkrankungen im Vordergrund, die durch Fehlsteuerungen des Immunsystems ausgelöst werden.

Überfunktion

Zurück zum Gaspedal: bei normaler Schilddrüsenfunktion entsteht genügend Energie und Wärme aus Nahrung und Sauerstoff. Bei einer Überfunktion gibt die Schilddrüse Vollgas. Durch die zu reichlich ausgeschütteten Schilddrüsenhormone ist der ganze Körper ständig unter Stress: Herzrasen, flacher Schlaf, Nervosität, Gewichtsverlust, Schwitzen und Zittern gehören zu den wichtigsten Beschwerden. Selbst große Mengen an Nahrung können den Hunger kaum stillen. Über Jahre anhaltende Überfunktion der Schilddrüse führt zu einer vorzeitigen Alterung und steigert das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen.

Unterfunktion

Wesentlich häufiger kommt die Unterfunktion der Schilddrüse vor. Sie bildet zu wenig stoffwechselaktives Schilddrüsenhormon und kann dadurch „dem Körper nicht richtig Gas geben“. Dumpfer Geist mit reduzierter Merkfähigkeit, Müdigkeit, Kältegefühl, Wasseransammlungen und Übergewicht, träge Ausscheidungen und schütteres Kopfhaar gehören zu den wichtigen Symptomen.

Knotenbildung (Kropf)

Ein großer Kropf war früher ein häufiges Erscheinungsbild. Im inneralpinen und alpennahen Raum ist die Versorgung der Bevölkerung mit Jod in der Nahrung unzureichend. Das Schilddrüsenhormon Thyroxin enthält 4 Jod-Atome. Ist nicht ausreichend Jod in der Ernährung vorhanden, schwillt die Schilddrüse immer mehr an, um ihrer Aufgabe, jodhaltige Hormone zu produzieren, nachzukommen. Dabei wird immer mehr Schilddrüsen-Gewebe gebildet, was zum Kropf führt. Durch die Jodierung des Speisesalzes, die seit einigen Jahrzehnten flächendeckend durchgeführt wird, wird so viel Jod zugeführt, dass Kropfbildung selten geworden ist.

Hashimoto Thyreoiditis (Auto-Immun-Erkrankung der Schilddrüse)

Die häufigste Schilddrüsenerkrankung der Jetzt-Zeit ist die Hashimoto Thyreoiditis. Dabei greift das Immunsystem die Schilddrüse an und zerstört hormonbildende Zellen dieses Organs. Die Schilddrüse ist bei dieser Störung nicht der Täter, sondern Opfer einer Fehlfunktion des Immunsystems.

Neun von zehn Hashimoto Patienten sind Frauen. Vor allem in Zeiten hormoneller Umstellung (Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) kommt es zum Neubeginn oder Aufflammen dieser Erkrankung. Die Hauptsymptome sind meist Müdigkeit und Gewichtszunahme bei gleichbleibender Ernährung.

Eine ganzheitliche Therapie beinhaltet nicht nur den Ersatz der fehlenden Schilddrüsenhormone, sondern auch Behandlungen zur Modulation des Immunsystems. Dabei spielen Ernährungsempfehlungen, Reinigungskuren, pflanzliche Mittel aus der Ayurveda Medizin, Vitamine und Mineralstoffe eine wichtige Rolle.

Ersatz der fehlenden Schilddrüsenhormone

Viele Menschen nehmen Schilddrüsenhormone ein. Nur ein Teil dieser Patienten ist leider so gut mit diesen Hormonen versorgt, dass dadurch auch alle Beschwerden zufriedenstellend beseitigt werden. Entscheidend für die richtige Einstellung sind nicht nur Laborwerte, sondern vor allem auch das subjektive Empfinden. So lange typische Beschwerden oder Symptome der Schilddrüsenunterfunktion auftreten, passt auch die Einstellung mit den Schilddrüsen-Tabletten nicht.

In der heute üblichen klinischen Praxis herrscht die Meinung vor, dass ein Ersatz mit dem Hormon Thyroxin (T4) ausreichend ist. Viele PatientInnen benötigen jedoch auch einen Ersatz des Schilddrüsenhormons T3, wenn die Umwandlung von T4 auf T3 im Körper blockiert ist. In einer solchen Situation stimmen zwar die Laborwerte, die Beschwerden wie Müdigkeit, Dumpfheit, Übergewicht und Wasseransammlungen bleiben. Dann stellen wir in unserer Praxis die PatientInnen auf Schilddrüsenmittel um, die auch das Hormon T3 (Trijod-Thyronin) enthalten.

Sind Schilddrüsen-Hormone unnatürlich?

Viele PatientInnen suchen mit dem Wunsch, ihre Schilddrüsenmedikamente weglassen zu können, ihren Arzt auf. Allein schon die Tatsache, mit Hormonen behandelt zu werden, ist für viele ein Vorgehen, das ihnen grundsätzlich widerstrebt.

Die in den handelsüblichen Schilddrüsenmedikamenten enthaltenen Wirksubstanzen sind sogenannte bio-identische Hormone. Das heißt, dass sie in Struktur und Funktion eins zu eins mit den körpereigenen Hormonen übereinstimmen. Im Gegensatz zu künstlichen hormonartigen Substanzen, wie sie z. B. in der Schwangerschaftsverhütung (Pille, Hormonspirale) eingesetzt werden, sind Schilddrüsenhormone in der richtigen Dosierung nicht nur völlig harmlos, sondern auch nützlich, weil sie vielen Menschen ein normales Leben ohne die belastenden Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion ermöglichen.

Es gibt jedoch bei der ganzheitlichen Therapie der Schilddrüse immer wieder Fälle, bei denen Schilddrüsenhormone abgesetzt werden können. „Die Schilddrüse ist intelligent“ sagt der österreichische Schilddrüsen-Spezialist Dr. Berndt Rieger, und meint damit die Fähigkeit der Schilddrüse, sich regenerieren zu können, wenn die Krankheit noch nicht allzu weit fortgeschritten ist.

Selbsttest für Schilddrüsen-Unterfunktion

Jeder Mensch kann mit einem einfachen Selbsttest feststellen, ob trotz (angeblich) normaler Schilddrüsenwerte eine Unterfunktion vorliegt. Eines der wichtigen Symptome der Unterfunktion ist eine zu niedrige Körpertemperatur. Die Aufwachtemperatur von Schilddrüsen-gesunden Menschen ist ca. 36,5°. Eine niedrigere Temperatur weist auf Unterfunktion hin.

So funktioniert der Test: Legen Sie vor dem Schlafen ein flüssigkeitsgefülltes Fieberthermometer auf Ihr Nachtkästchen und schlagen Sie es auf eine Temperatur unter 35°. Unmittelbar nach dem Aufwachen, bevor Sie irgendeine andere Tätigkeit durchführen, stecken Sie das Fieberthermometer in den Mund oder in die Achselhöhle und lassen es 5 Minuten liegen, bevor Sie die Temperatur ablesen. Wiederholen Sie diesen Vorgang mindestens 4-5 Tage und notieren Sie täglich die Aufwachtemperatur.

Sollte die Aufwachtemperatur unter 36,5°sein, machen Sie an 3 Tagen noch zusätzliche Messungen um 11 Uhr, 16-17 Uhr und vor dem Schlafen.

Achtung: dieser Test funktioniert nicht bei Infekten und in der Zyklusmitte, da es während dieser Zeit durch den Eisprung zu einem Temperaturanstieg auf über 36,5° kommt.

Fortsetzung folgt.

Teil 2: Ernährung und Reinigungskuren
Teil 3: Ayurvedische Heilkräuter und Vitamine