Leben ist Bewegung!? – Sport ist Mord!?

In der ärztlichen Praxis erlebt man immer wieder zwei Extreme:
Menschen, die sich aufgrund von Müdigkeit, Antriebsstörung und ungünstigen Lebensumständen so gut wie gar nicht bewegen. Und Menschen, die Sport genauso exzessiv betreiben wie einen stressigen Beruf. Wie finde ich heraus, was das richtige Maß an Bewegung für mich ist?

Leben ist Bewegung!? – Sport ist Mord!?

Zu den Herausforderungen der modernen Medizin gehören Krankheiten, die aufgrund von Bewegungsmangel entstehen. Die „Seuche des 21 Jahrhunderts“ ist Übergewicht, das über kurz oder lang zu Störungen im Bewegungsapparat und im Stoffwechsel führt. Abgenützte Gelenke, schon früh beginnender Diabetes, Bluthochdruck und Herz- Kreislauferkrankungen sind die „Zivilisationskrankheiten“, die aus Bewegungsmangel entstehen. Das andere Extrem von Störungen entsteht durch übertriebenen Ehrgeiz beim Sport. Menschen, die ohnehin schon durch Stress im Ungleichgewicht sind, schädigen ihren Körper durch übertriebene sportliche Leistungen noch mehr. Auch hier sind abgenützte Gelenke, Herz- Kreislauferkrankungen, Schlafstörungen und vorzeitige Alterserscheinungen vermeidbare Folgen.

Vegetatives Nervensystem

Die Verbindung zwischen Geist, Emotionen und Körper wird durch das vegetative Nervensystem hergestellt. Das vegetative Nervensystem ist für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Herzschlag, Atmung und Verdauung verantwortlich. Es besteht aus dem sympathischen Nervensystem, das eine aktivierende Funktion auf die inneren Organe ausübt und für passende Reaktion des Körpers auf Stress zuständig ist (Kampf-Flucht-Reaktion). Wenn das sympathische Nervensystem durch Stress aktiviert wird, schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt, Augen und Mund öffnen sich und die Atmung geht in eine beschleunigte Brustatmung über.

Das parasympathische Nervensystem ist für Ruhe, Regeneration und Reparatur zuständig. Wenn es aktiviert wird, verlangsamen sich Herzschlag und Atmung, der Blutdruck sinkt und die Reparatur von durch Stress und Verletzung bedingten Schäden im Körper wird eingeleitet. Ein typisches Merkmal der parasympathischen Aktivierung ist eine Zwerchfellatmung durch die Nase.

Sport und Regeneration

Körperliche Bewegung verschafft uns Ausgleich von psychischem Stress und von sitzender Lebensweise. Dieser Ausgleich ist aber nur dann wirkungsvoll, wenn er in ausreichender Dauer und Intensität durchgeführt wird. Sowohl die klassischen ayurvedischen Texte als auch moderne Sportforschungen zeigen, dass auch beim Sport die „Dosis“ dafür entscheidend ist, ob ein gesundheitlicher Nutzen aus körperlicher Betätigung entsteht. Ob das Sprichwort „Sport ist Mord“ oder „Ohne Fleiß, kein Preis“ zutrifft, ist individuell unterschiedlich und hängt auch von dem vorherrschenden ayurvedischen Konstitutionstyp ab.

Dauer der Bewegung

Die modernde Sportmedizin und die klassischen Texte des Ayurveda sind sich darüber einig, dass ca. 30 Minuten pro Tag an körperlicher Bewegung das Mindestmaß für eine gesundheitsfördernde Wirkung von Sport sind. Dabei ist ausschlaggebend, dass der Sport auch als solcher ausgeübt wird. Bewegung innerhalb der Arbeitszeit kann nicht als „regenerierendes Training“ gezählt werden. Die Gesamtdauer von sportlicher Betätigung sollte sich zwischen 3,5 und 6 Stunden pro Woche bewegen und auf möglichst viele Tage der Woche verteilt sein. Eine 6-stündige Wanderung pro Woche hat also kaum einen Trainingseffekt, wenn an den anderen 6 Wochentagen keine körperliche Aktivität stattfindet. Und wenn wir hier von Sport sprechen, ist der Abendspaziergang ebenso gemeint wie jede andere sportliche Betätigung.

Intensität der Bewegung

Die digitale Technik verführt uns heute dazu, das Maß der Intensität der Bewegung nicht mehr selber zu spüren, sondern auf eine Puls-Uhr auszulagern. Dabei ist es laut Ayurveda so wichtig, beim Sport den Körper zu spüren, um die Geist-Körper-Koordination zu verbessern.

Die beste Übung, um das zu erreichen, ist das Beachten der Atmung während der sportlichen Betätigung. Sport dient der Regeneration und sollte deswegen unbedingt in einer Intensität durchgeführt werden, die dem parasympathischen Nervensystem unterliegt. Der Entspannungsreflex funktioniert solange, wie es möglich ist, bei der gesamten Sportausübung die Nasenatmung beizubehalten. Nur mit Nasenatmung ist auch garantiert, dass wir beim Sport in einer „aeroben“ Stoffwechselsituation sind. Dieser „aerobe“ Stoffwechsel aktiviert das Verdauungsfeuer Agni und führt zur verbesserten Assimilation von Nahrung und Verbrennung von überschüssiger Energie und von Schlackenstoffen.

Sport nur mit Nasenatmung

Sobald wir bei einer Bewegungseinheit die Nasenatmung verlassen und in die Mundatmung übergehen, kommen wir in eine vom sympathischen Nervensystem gesteuerte „Kampf-Flucht-Reaktion“, die mit einer erhöhten Produktion von Stresshormonen wie Kortisol und Adrenalin verbunden ist. Wie sehr ein Übermaß dieser Hormone den Körper belasten und die Psyche beunruhigen, ist heutzutage jedem Menschen bekannt. Wenn aufgrund von Belastung auf eine Mundatmung übergegangen wird, ist das auch ein Hinweis darauf, dass der Körper in eine „anaerobe“ Stoffwechselsituation umschaltet. Das führt zu einer massiven Vergeudung von Energie und von schwer regenerierbaren Botenstoffen im Körper. Anstatt Regeneration ist zusätzliche Erschöpfung die Folge von sympathikotoner und „anaerober“ Sportausübung.

Nasenatmung verbessert Trainingseffekt

Die ideale Intensität von Bewegung ist aus ayurvedischer Sicht dadurch definiert, dass es während der gesamten Dauer einer Bewegungseinheit leicht möglich ist, ausschließlich durch die Nase zu atmen. Mühelose Nasenatmung bei gleichzeitiger körperlicher Bewegung garantiert, dass Sie Sport immer mit regenerierender Wirkung betreiben – „aerob“ mit Sauerstoffsättigung und Aktivierung des parasympathischen Nervensystems. So wird während einer Trainingseinheit der Ruhe- und Regenerationsreflex ausgelöst. Dadurch verringert sich in der Folge der Blutdruck und der Ruhepuls, und stressbedingte Anspannung weicht einer inneren Ruhe und Entspannung. Sportwissenschaftliche Tests haben gezeigt, dass bei Bewegung mit ausschließlicher Nasenatmung der Trainings Effekt verbessert wird

Doshas und Sport

Je nachdem, welches Dosha bei Ihnen vorherrscht, sind bestimmte sportliche Aktivitäten besonders zum Ausgleich geeignet. Sollten Sie nicht darüber im Klaren sein, welches Dosha bei Ihnen vorherrscht, finden Sie das durch unserem Dosha-Test heraus. Auch bei einer ayurvedischen Pulsdiagnose können die Doshas bestimmt werden.

Sport- und Bewegungsarten bei Dominanz von Vata:
Flotte Spaziergänge, Wandern, Nordic Walken, Radfahren, Golf, Yoga, Langlaufen.

Sport- und Bewegungsarten bei Dominanz von Pitta:
Schwimmen, Joggen (Dauerlauf mit niedriger Pulsfrequenz und Nasenatmung), Radfahren, Klettern, Hochgebirgswanderungen, Golf, Skifahren.

Bei Dominanz von Kapha:
bei stärkerem Übergewicht mit flottem Gehen,  Radfahren und einfachen Kraftübungen wie Liegestütz und Kniebeugen beginnen. Wenn durch leichte Sportarten etwas Übergewicht abgebaut wurde und die Muskulatur gestärkt wurde, sind günstig: Tennis, alle Arten von Kraftsport, Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball, Eishockey, Joggen mit häufigen Wechsel der Intensität (abwechselnd schnell und langsam laufen).