Leserbrief zum Bauvorhaben

Leserbrief zum Bauvorhaben „SOMA – Haus der Gesundheit“ in Geboltskirchen

Sehr geehrter Herr Dr. Schachinger,

NEIN, nicht jeder ist von Ihrem Bauvorhaben in Geboltskirchen begeistert! Ich schreibe Ihnen diese Zeilen, weil es mich – im Gegenteil – schwer trifft! Ich frage mich, mehr und größer und „schöner“, aber zu welchem Preis?

Ich bin in Geboltskirchen aufgewachsen, es ist meine Heimat und ich bin noch immer sehr verwurzelt dort. Mein Lebensmittelpunkt liegt dzt. zwar überwiegend in Wien, aber ich kehre oft in mein Elternhaus zurück und wandere gerne im Hausruckwald. Umso betrüblicher stimmen mich Ihre Baupläne. Das, was Sie schätzen, schätze auch ich: die Nähe zur Natur, den Wald, das viele Grün, die Ruhe, und (wie Ihre Gäste bei der Grundsteinlegung) „den unglaublichen Panoramablick“.

Achtsamkeit ist eines DER Begriffe, die sich sehr häufig in Ihren Statements findet. Aus diesem Grund kann ich es nicht verstehen, wie ein solch schönes Stück Land – immerhin sind es 4 ha und „drumherum“ sagen sich nur Hase und Igel Gute Nacht – VERBAUT werden kann!!! Gerade in Zeiten, wo die Klimakrise ein massives Umdenken fordert.

Wie es überhaupt vor 15 Jahren zu einer Umwidmung mitten im landwirtschaftlichen Gebiet kommen konnte, ist mir ein noch größeres Rätsel.

Versiegelung durch Bauwerke, Parkplätze und Zufahrtstraßen, erhöhtes Verkehrsaufkommen durch die Anreise Ihres Personals und Ihrer Gäste, erhöhter Wasser- und Stromverbrauch, damit erhöhter CO2 Ausstoß…. Mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Im Vergleich wird es wohl so sein, aber in der Summe macht es einen gewaltigen Unterschied, denn jeder einzelne ist für diese unsere Erde verantwortlich und muss seinen/ihren Beitrag leisten und (eben!) achtsam umgehen.

Mit diesem Schreiben ist es mir wichtig, Sie darauf hinzuweisen, dass nicht alle Einwohner*innen von Geboltskirchen Ihrem Projekt so euphorisch gegenübertreten, wie das manchmal den Anschein haben mag. Bei meinem letzten Spaziergang am grünen Weg (oberhalb des Grundstücks) habe ich mir und dem Wald das Versprechen gegeben, Ihnen zu schreiben. Sie mögen die besten Absichten verfolgen, ich selbst halte viel von ayurvedischen Anwendungen. Aber es macht mich sehr traurig, wenn dafür Natur – ein ganz besonders schönes Stück Natur – zerstört wird. Unwiederbringlich.

Mit besonnenen Grüßen

Mag. a H.E.


 Antwort von Dr. Wolfgang Schachinger:

Sehr geehrte Frau Mag. a E.,

herzlichen Dank für Ihr Schreiben, bei dem man spürt, dass es aus tiefem Herzen kommt.

Ich kenne Ihre Bedenken, die wurden mir schon von anderen Bürgern Geboltskirchens vorgetragen. Mir ist bekannt, dass es in der Gegend nicht nur „Fans“ gibt!

Sehr oft geht es mir wie Ihnen, wenn ich vor einem Gebäude stehe, das irgendwo in die Natur hineinbetoniert wurde, dekoriert mit dicken Schichten von Styropor und Handymasten. Ich bin jedes Mal erschüttert!

Und dennoch stehe ich zu unserem Projekt – zu einem „Haus der Gesundheit“ in der Natur, in Ruhelage, mit freiem Blick nach Osten.

Wir bauen dort keinen Betonklotz hin, sondern ein Gebäude, das von der Optik einem Bauernhof nachempfunden ist und das weitestgehend aus Materialien aus der nächsten Umgebung ist, ohne Styropor und andere toxische Werkstoffe. Die Hülle ist aus Ziegeln, die mit Lehm aus der Region gebrannt wurden. Der gesamte Innenausbau ist aus mondgeschlägertem Hausruck-Holz von nachhaltig wirtschaftenden Forstbetrieben, geschnitten und getrocknet bei einem regionalen Sägewerk.

Wir werden einen niedrigen CO2 Fußabdruck haben, auch deswegen, weil wir mit Geothermie heizen. Wir übersiedeln mit unserem derzeitigen „Haus der Gesundheit“ in Ried von einem Gebäude mit hohem CO2 Fußabdruck in ein nachhaltiges Gebäude. Die Realisierung des Projekts ist aus ökologischer Sicht eine deutliche Verbesserung!

Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Projekten „auf der grünen Wiese“ ist auch der Verwendungszweck. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen mit natürlichen Behandlungsmethoden darauf vorzubereiten, dass sie ein gesundes, einfaches Leben in Einklang mit der Natur führen können. Das gilt nicht nur für die stationären Patienten, sondern auch für die vielen Teilnehmer unserer Online-Kurse und -Kuren.

Wir streben an, so viel wie möglich mit der regionalen Wirtschaft und Landwirtschaft zusammenzuarbeiten und deren Produkte und Dienstleistungen zu verwenden. Wir wünschen uns insbesondere einige Bio-Landwirte aus Geboltskirchen als Partner.

Wir werden das Wort „Achtsamkeit“ nicht nur als Wort verwenden, sondern so gut es geht in unser Handeln einbeziehen. Versprochen!

Gerne laden wir Sie ein, bei uns einen Lokalaugenschein vorzunehmen, sobald wir im neuen Gebäude sind! Vielleicht können Sie dann zumindest einen Teil Ihrer Bedenken revidieren.

Mit heilsamen Grüßen

Dr. Wolfgang Schachinger