Vitamin D Einnahme – auch im Sommer???

„Ich habe jetzt aufgehört, meine Vitamin D Tropfen/Kapseln einzunehmen, weil Sommer ist und draußen die Sonne scheint.“

Ist das richtig?

Es gibt viele Mythen und Meinungen über die Einnahme von Vitamin D. Auch von offizieller Stelle und von vielen Ärzten wird behauptet, dass eine Supplementierung von Vitamin D in den Sommermonaten überflüssig sei, da ausreichend davon durch Aufenthalt im Freien im Körper produziert wird. Stimmt diese Meinung mit dem Stand der Wissenschaft überein?

Vitamin D auch im Sommer

Fast alle Körperzellen haben Vitamin D Rezeptoren, die dafür sorgen, dass Vitamin D in die Zellen gelangen und an den Zellkern andocken kann. Dort kann Vitamin D ca. 2000 von 23000 Genen, also fast 10% aller Gene aktivieren.

Körpereigene Vitamin D Synthese

Vitamin D kann im Körper nur dann produziert werden, wenn UV-B-reiches Sonnenlicht auf die Haut trifft und dort die Herstellung von Vitamin D aus Cholesterin auslöst. Dieses UV-B-reiche Sonnenlicht haben wir ausschließlich in der Zeit von 11 – 15 Uhr, und das auch nur von April bis Anfang September. Nur wenn man in dieser Zeit für ca. 20 Minuten einen Großteil der Körperoberfläche einer direkten Sonnenbestrahlung aussetzt, kann man genau die Menge an freiem Vitamin D produzieren, die der Körper braucht.

Fragen Sie sich selbst: An wie vielen Tagen pro Jahr sind Sie zwischen 11 und 15 Uhr in der Sonne? Bei den meisten ist das nur im Urlaub der Fall, und auch da meiden viele Menschen die Mittagssonne.

Sonnenbrand vermeiden

Obwohl direkte Sonnenbestrahlung in der Mittagszeit die einzige Möglichkeit ist, Vitamin D selbst zu produzieren, ist es unbedingt notwendig, die Sonnenexposition so zu gestalten, dass kein Sonnenbrand entsteht. Das bedeutet, dass Sie Ihren Aufenthalt in der Sonne so gestalten sollten, dass Sie für ca. 15 Minuten einen Großteil der Körperoberfläche ungeschützt der Sonne aussetzen. Je nach Hautempfindlichkeit sollten Sie 10 – 20 Minuten nach Beginn des Sonnenbades einen Großteil der Körperoberfläche entweder durch Kleidung bedecken oder eine Sonnencreme auftragen.

Wenn Sie schon am Beginn des Sonnenbades eine Sonnenschutzcreme auftragen, verhindern Sie die körpereigene Bildung von Vitamin D. Das gilt auch für Kinder!

Auch in geschlossenen Räumen findet keine Vitamin D Bildung statt!

Deswegen gilt auch an Sonnentagen im Sommer: solange Sie sich in geschlossenen Räumen befinden oder sich bekleidet im Freien aufhalten, kann der Körper KEIN Vitamin D bilden. Deswegen ist auch an Tagen wie diesen eine Vitamin D Einnahme empfehlenswert.

Unterschied tägliche/wöchentliche/monatliche Einnahme

Neue Studien von Prof. Dr. Hollis und seiner Arbeitsgruppe von Top-Experten in Sachen Vitamin D haben gezeigt, dass ein großer Unterschied in der Wirkung zwischen freiem und gebundenem Vitamin D besteht.

Vereinfacht gesagt ist Vitamin D nur in den ersten Stunden nach Einnahme als „freies“ Vitamin D im Körper verfügbar. Danach wird es an Transport-Proteine gebunden. Dieses gebundene Vitamin D kann viele wichtige Stoffwechselwirkungen nicht mehr erzielen.

Nur, wenn Vitamin D in der empfohlenen Dosis von ca. 1000 internationaler Einheiten pro 20kg Körpergewicht täglich eingenommen wird, zirkuliert ausreichend freies Vitamin D und steht so allen Körperzellen zur Verfügung, um Krankheitsprozesse zu verhindern.

Die tägliche Zufuhr von Vitamin D ist aufgrund dieser Studie deutlich effektiver als eine Gabe von Vitamin D im Intervall von Wochen oder Monaten.

Zusammenfassung

Das Sonnen-Vitamin D kann vom Körper nur dann selbst produziert werden, wenn an Sommertagen eine 10 – 20-minütige direkte Sonnenexposition in der Zeit von 11 – 15 Uhr stattfindet. Bei längerer Sonnenexposition ist für entsprechenden Schutz vor Sonnenbrand durch Kleidung oder Sonnencreme zu sorgen.

Neue Studien zeigen, dass Vitamin D innerhalb kurzer Zeit im Körper an Transport-Proteine gebunden wird. Nur freies, ungebundenes Vitamin D kann alle wertvollen Wirkungen von Vitamin D für die Gesundheit entfalten. Deswegen ist die tägliche Einnahme von Vitamin D einer hochdosis-Therapie mit wöchentlichen oder monatlichen Einnahmeintervallen vorzuziehen.

Quellen:

  1. DeLuca HF, Darwish HM, Ross TK, Moss VE. Mechanism of action of 1,25-dihydroxyvitamin D on target gene expression. Journal of nutritional science and vitaminology 1992;19-26
  1. Hollis, B. W., & Wagner, C. L. (2013). The Role of the Parent Compound Vitamin D with Respect to Metabolism and Function: Why Clinical Dose Intervals Can Affect Clinical Outcomes.The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 98(12), 4619-4628. doi:10.1210/jc.2013-2653