Der Magen

– das Organ im Zentrum der Verdauung

Mehr als 50% aller Menschen haben gelegentlich oder dauerhaft Magenbeschwerden. Die meisten dieser Beschwerden werden heute mit sogenannten „Magenschutz“-Tabletten oft über Jahre und Jahrzehnte behandelt. Neue Erkenntnisse zeigen, dass eine solche Dauermedikation ernsthafte Nebenwirkungen haben kann.

Welche einfachen und natürlichen Maßnahmen schlägt der Ayurveda vor, um den Magen gesund zu erhalten?

Der Magen – das Organ im Zentrum der VerdauungAus der Sicht der Ayurveda-Medizin hat der Magen zwei Funktionen. Erstens Bildung von Schleim zur Befeuchtung der verschluckten Nahrungsmittel und zweitens Ansäuerung des Nahrungsbreis, um die verzehrten Nahrungsmittel verdaubar zu machen. Die klassischen Texte sehen den Magen auch als Sitz des Verdauungsfeuers (Agni), das dafür zuständig ist, körperfremde in körpereigene Substanzen umzuwandeln.

Erkrankungen des Magens

Zu den häufigsten Störungen im Magen gehören Entzündungen, die subjektiv als Magenbrennen, Sodbrennen, Übelkeit und Druck im Oberbauch wahrgenommen werden. Langfristig kann es zu Geschwüren im Magen und Zwölffingerdarm kommen. Jahrzehntelang bestehende Entzündungen oder Geschwüre können auch zu einer Krebskrankheit entarten.

Konventionelle Therapie

Viele Menschen nehmen bei diesen Beschwerden vorübergehend oder dauerhaft säurehemmende Mittel. Diese wurden lange Zeit großzügig verordnet und für unbedenklich erklärt, inzwischen weiß man aber, dass die dauerhafte Anwendung dieser Säureblocker (PPI) zu ernsthaften Nebenwirkungen führt. Diese Medikamente verhindern die Aufnahme lebenswichtiger Vitamine wie z.B. Vitamin B12 und Mineralstoffe wie Magnesium. Auch die Aufnahme von Kalzium und Eisen wird durch diese Medikamente reduziert. Man nimmt heute an, dass Altersbedingte Beschwerden wie Demenz, Osteoporose und Anämie durch diese Nebenwirkungen begünstigt werden.

Alternative Therapie

Aus ganzheitsmedizinischer Sicht ist es wünschenswert, derartige Medikamente nur kurzzeitig anzuwenden. Dies ist aber nur dann umsetzbar, wenn man mit der Reduktion eines Säureblockers auch Lebensstilmaßnahmen setzt und die überschießende Säurebildung mit pflanzlichen und mineralischen Mitteln modifiziert.

Verdauung beginnt im Mund

Die erste wichtige Maßnahme, um Magenbeschwerden dauerhaft zu bessern, ist ein passendes Essverhalten. Da Magen und Darm keine Zähne mehr aufweisen, müssen die Speisen im Mund so gut gekaut werden, dass sie breiartig zerkleinert sind. Das erleichtert den Verdauungsprozess im Magenabschnitt schon ganz wesentlich und verhindert auch, dass die großen Speisestücke zu lange im Magen bleiben oder später im Dünndarm der Gärung und Fäulnis anheimfallen. Um normale Nahrung ausreichend zu kauen sind pro Bissen mindestens 10 – 30 Kaubewegungen nötig, also wesentlich mehr, als wir normalerweise kauen.

Pausen zwischen den Mahlzeiten

Wie jedes Organ, braucht auch der Magen Pausen. Er funktioniert dann am besten, wenn er bei einer Mahlzeit nicht bis zum Zerplatzen gefüllt wird und solange Zeit hat, den Speisebrei zu bearbeiten, bis er sich mit einem kräftigen „Ich-hab-Hunger“- Signal meldet. Diese Zeit beträgt je nach Größe und Schwere der Mahlzeit mindestens 4-6 Stunden. Zwischenmahlzeiten innerhalb dieser Zeit stören die sensiblen Verdauungsvorgänge im Magen gravierend und tragen zu Irritationen und übermäßiger Säurebildung bei.

Abendessen

Besonders wichtig für den Magen ist die Pause über Nacht. Zu den wichtigsten Lebensstilmaßnahmen, um Magenerkrankungen zu verhindern, gehört ein frühzeitiges und leichtes Abendessen, ca. 3 Stunden vor dem Schlafengehen. Damit ist sichergestellt, dass die Magenentleerung bis zum Niederlegen schon so weit fortgeschritten ist, dass kein starker Druck mehr im Magen herrscht. Bei Übergewicht und häufigem Sodbrennen ist es am besten, auf das Abendessen vollständig zu verzichten. Mit „Dinner-Canceling“, das man  täglich oder auch nur ein- bis zweimal die Woche machen kann, verlängert man die Erholungsphasen des Magens wesentlich. Neue Studien weisen außerdem darauf hin, dass diese langen Esspausen, die als Intervallfasten bezeichnet werden, einen stark verjüngenden Effekt haben.

Reflux verhindern

Unter Reflux versteht man, dass der Mageninhalt durch Überdruck im Magen in die Speiseröhre gelangt und dort brennende Schmerzen und Entzündungen verursacht. Das passiert vor allem dann, wenn die Portion zu groß war, wenn säurelockende Speisen und Getränke konsumiert wurden (Pitta Diät) oder wenn man sich kurz nach einer Mahlzeit niederlegt.

Für Menschen mit Tendenz zu Reflux wird häufig empfohlen, mit etwas erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Eine originelle Alternative dazu, ist die „Inclined Bed Therapy“ (IBT) (www.inclinedbedtherapy.com). Bei dieser Anwendung wird das Kopfende des Bettes um 15cm angehoben, sodass das gesamte Bett zu einer schiefen Ebene wird. Die Protagonisten der IBT sprechen dieser Methode nicht nur eine günstige Wirkung bei Reflux sondern viele andere gesundheitliche Vorteile zu.

Wann und wieviel soll ich trinken?

Der Ayurveda empfiehlt, während der Mahlzeit ein Glas (also ca. 1/4 Liter) Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Das kann Wasser sein – warm oder kalt, aber nicht eiskalt – Suppe, Tee und / oder Lassi. Zu einem besonderen Festmahl darf es auch einmal ein Glas Wein sein. Die Flüssigkeiten während der Mahlzeit dienen dazu, dass sich der Speisebrei optimal mit der Nahrung vermischt. In der halben Stunde unmittelbar vor dem Essen und in der ersten Stunde nach der Mahlzeit sollte man möglichst keine Flüssigkeiten zu sich nehmen, um die Verdauungssäfte nicht zu sehr zu verdünnen. Die Hauptmenge von Flüssigkeit, die wir täglich zu uns nehmen, sollte morgens und zwischen den Mahlzeiten getrunken werden. Als Faustregel gilt: etwas mehr als ein halber Liter Flüssigkeit auf alle 20kg Körpergewicht täglich, das sind z.B. bei 70kg 2-2,5 Liter.

Heißes Wasser

Im Ayurveda wird die kurmäßige Anwendung von heißem Wasser zur Stärkung des Verdauungsfeuers Agni häufig empfohlen. Diese Maßnahme ist bei schwacher Verdauungskraft, Ansammlung von Schlacken im Körper und bei Reinigungskuren sehr empfehlenswert. Neigt man jedoch zu Sodbrennen, Übersäuerung und Magenentzündung, sollte man keine heißen, sondern nur lauwarme Flüssigkeiten zu sich nehmen. Auch eiskalte Flüssigkeiten sind bei diesen Beschwerden ungünstig.

Meiden Sie scharfe Gewürze und Vergorenes

Alle scharfen Gewürze, wie Pfeffer, Ingwer, Chili etc. haben eine stark erhitzende Wirkung. Ebenso erhitzend wirken vergorene Lebensmittel und Getränke. Dazu gehören alle Sauermilchprodukte (Joghurt, Sauerrahm, Trinkjoghurt, Käse) und alle alkoholischen Getränke. Die durch die Fermentation entstandenen Säuren und Alkohol reizen empfindliche Magenschleimhäute stark und sollten vor allem in der heißen Jahreszeit gemieden werden.

Kühlende Nahrungsmittel

Der Ayurveda schreibt den Geschmacksrichtungen bitter und herb eine kühlende Eigenschaft zu. Diese Geschmacksrichtungen sind in der modernen Ernährung völlig unterrepräsentiert. Das mag ein wichtiger Grund dafür sein, dass entzündliche Erkrankungen des Magen- Darmtrakts in den letzten Jahrzehnten so stark zugenommen hat. Zu Speisen mit bitterer Geschmacksrichtung gehören alle grünen Gemüse und alle üblichen Küchenkräuter wie Salbei, Majoran, Thymian und Petersilie. Die „entzündungshemmende“ Geschmacksrichtung herb ist in allen Hülsenfrüchten, Kartoffeln und besonders konzentriert im Gewürz Kurkuma enthalten.

Alle diese bitteren und herben Speisen und Gewürze sollten mindestens einmal am Tag Teil einer Mahlzeit sein.

Das milde Currypulver „Pitta-Churna“  ist eine Gewürzmischung, die besonders schonend für den Magen ist und bei Neigung zu Entzündungen großzügig verwendet werden kann. Pitta-Churna stärkt die Verdauungskraft, ohne Pitta zu erhöhen.

Kühlende Getränke

Als kühlende Getränke gelten im Ayurveda nicht nur Getränke mit kühler Temperatur, sondern auch solche, die aus Ingredienzien mit kühlender Wirkung hergestellt sind. Zu den besten kühlenden Getränken zählen: Minztee, Salbeitee, Pitta-Tee  und Lassi. Alle diese Getränke können natürlich auch kühl bzw. in Zimmertemperatur gereicht werden.

Kühlende Heilpflanzen und Mineralien

Die Heilpflanze, die der Ayurveda bei Entzündungen und Hitze-Beschwerden im Oberbauch am meisten empfiehlt, ist die Amla-Frucht. Diese ist insofern einzigartig, als sie einerseits kühlend wirkt, andererseits auch die Verdauungskraft Agni verbessert. Amla-Frucht haltige Nahrungsergänzungen wie z.B. MA 1 oder das Magenrasayana MA 575  können sehr gut zur Vorsorge von Magenbeschwerden verwendet werden. Auch Basenpulver  als Getränk zwischen den Mahlzeiten führt dazu, dass überschüssige Säure im Magen neutralisiert werden kann. Bei leichten und immer wiederkehrenden Magenbeschwerden mit Übersäuerung können diese Produkte vorübergehend eigenmächtig eingesetzt werden.

Höhepunkt im Spätsommer

Aus der Sicht des Ayurveda sammelt sich am Ende der Pitta-Jahreszeit  (Sommer) am meisten Hitze im Körper an. Deswegen kommt es auch am Übergang von Sommer zu Herbst zu den meisten Neuerkrankungen von Gastritis und Magengeschwüren.

Achten Sie besonders jetzt darauf, dass Sie durch ausgewogene, kühlende Ernährung, sinnvolle Abstände zwischen den Mahlzeiten und Maßhalten bei Essmenge und Genussmittel ihren Magen im Gleichgewicht halten.